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Meine Männergruppe
Erfahrungen aus Gruppe 11
(Heinz Brockert)
Zehn Jahre sind die "Gründungsväter" unserer Männergruppe jetzt zusammen, zwei sind dazu gekommen, vier haben die Gruppe verlassen. Hat man sich nach zehn Jahren immer noch etwas zu sagen? Und wie! Manche Themen haben sich ein bisschen erledigt. Bei anderen haben wir aber das Gefühl, doch erst an der Oberfläche gekratzt zu haben.
Und außerdem: Das Mann-Sein in unserer Zeit verändert sich rapide. Neue Möglichkeiten tun sich auf. Alte Gewohnheiten lösen sich nach und nach auf. Ein Lehrer, ein von einem Weltkonzern viel zu früh pensionierter Technischer Angestellter, ein Journalist, ein Psychologe, ein EDV-Fachmann, ein Krankenpfleger (inzwischen in Leitender Stellung) und ein vor zwei Jahren noch sehr erfolgreicher Niederlassungsleiter, der sich jetzt im vorgezogenen "Ruhestand" wechselnde Aufgaben für das letzte Drittel des Lebens sucht das ist unsere Gruppe. Vier haben die 60 gerade passiert, zwei streben auf die 40 zu, und einer liegt vom Alter her dazwischen.
Rund 250 Mal hatten wir Gelegenheit, uns selbst als Mensch und Mann und die anderen zu "befragen". Der Schreiber dieser Zeilen ist manchmal ungeduldig gewesen und hat provoziert, damit einzelne mehr aus sich heraus gehen. Hat gar keinen Zweck! Wenn die Zeit reif wurde, hat noch jeder in der Gruppe von alleine seine Herzenstüren aufgemacht, in die dunklen Ecken geleuchtet und sich offen und auch positiv verletzbar gemacht. "Ich erzähle Euch jetzt etwas, was ich so noch keinem anderen Menschen gesagt habe." Ein solcher Satz ist oft genug gefallen. Und trotzdem sind wir uns immer einig gewesen: Wir können keine therapeutische Gruppe sein. Aber wir können uns die Liebe und den Respekt antun, hinzuhören, selbst aufrichtig zu sein (so gut es eben geht), mit zu fühlen (jeder nach seinem jeweiligen Vermögen) und Rat zu geben, ohne damit den Anspruch zu erheben, es "besser" zu wissen.
Zehn Jahre wir sind uns näher gekommen. Aber eine Kumpanei ist glücklicherweise nie daraus geworden. Die einen treffen sich auch mal privat. Andere sind sehr glücklich darüber, nur die Stunden der Gruppentreffen (plus anschließendem Wirtshausgang) miteinander zu teilen und so immer ein bisschen anonym (oder besser gesagt: geheimnisvoll) zu bleiben. Ich schildere stellvertretend meine Entwicklung in der Gruppe.
Mein Leben begann in einem Krieg (gegenwärtig tobt wieder einer, obwohl so viele Menschen in unserem Lande gehofft hatten, dass der Zweite Weltkrieg der letzte ist): Den Vater früh verloren, von der Mutter als ältester Sohn als "Ersatzmann" ausersehen, in die wunderbare Freiheit und die Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit entlassen, das wurde eine Grundmelodie des Lebens. Wie man das Interesse von Frauen hervorruft und beflügelt, wie man sie manipuliert und sich von ihnen manipulieren läßt, wie man sich vor ihren berechtigten Forderungen drückt und doch eine beständige Sehnsucht nach weiblicher "Erlösung" hat, das habe ich zur Genüge als Kind und Mann "geübt". Männer sind für mich bis zur Männergruppenzeit immer ein bisschen Angst machend, rätselhaft, diffus in ihren Aussagen und Ansprüchen und zu merkwürdigen Brüchen im Leben neigend geblieben.
Die erste Beobachtung in unserer Gruppe war, wie differenziert und unterschiedlich Männer sind, wenn sie nicht als "Horde" auftreten, sondern sie selbst sind, sich und den anderen etwas von sich zeigen und suchen statt beständig unvollständige Antworten zu geben. Die zweite Erkenntnis war: Männer können wunderbar und von innen heraus lachen, wenn sie nicht auf der "Show-Bühne" sind. Die dritte: Niemand in der Gruppe will Perfektes von mir, niemand weist mir die Tür, nur weil mir eine Formulierung daneben ging oder ich jeManndem zu nahe getreten bin. "Ein echter Heinz-Hammer", heißt es bei uns in der Gruppe, wenn ich starke Worte benutze.
"Du provozierst, Du gebrauchst kräftige Worte, aber wo bist Du eigentlich, wo sind Deine Gefühle?" Solche Sätze habe ich mir immer wieder mal anhören müssen. Zu recht! Und zu meinem Wohle! Ja, wer bin ich denn eigentlich? Immer noch jemand, der sich aus Angst unsichtbar machen möchte, der auftrumpft, obwohl die Trauer hoch steigt und die Tränen sich hinter den Augen sammeln, der ein Witzchen macht statt "ehrlich zu schweigen"? Ein bisschen schon noch, aber ich bin weiter gekommen. Das weiß ich und das macht den Weg zur Gruppenstunde alle 14 Tage am Freitagabend fast zur Pflicht und manchmal zur "Sucht".
Wir sprechen in der Gruppe über uns, unsere Erfolge und Anfechtungen - sehr wenig über Frauen. Das mag überraschen. Aber im besten Emanzen-Jargon gesagt: Was gibt es wichtigeres als uns, als uns Männer?! Wir bleiben noch lange beieinander. Das ist uns klar und darauf freuen wir uns. Vier von der Ursprungsgruppe sind gegangen (einer wechselte den Wohnsitz, einer nutzt jetzt seine Männergruppen-Erfahrung in einem sich immer noch verstärkenden politischen und pädagogischen Engagement und zwei wechselten in Gruppen, die ihren Bedürfnissen besser entgegen kamen. Ich liebe die "verbindliche Unverbindlichkeit" meiner Gruppe. Kein Vorsitzender, kein von außen kommender Experte, kein Schwur, keine Nötigung, kein Protokoll, nur meine (und unsere) Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Mann.
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